Gastartikel
Das Gesetz der Sucht
Raucher sind oft wütend auf mich, weil sie glauben, dass ich sie dazu veranlasst habe wieder mit dem Rauchen anzufangen. Warum denken sie das? Nun, ich habe die schlechte Angewohnheit, jedes Mal ein riesig großes Tamtam darum zu machen, wenn ein Kursteilnehmer auch nur einen Zug nimmt oder vielleicht ein paar Zigaretten raucht. Der Raucher ist der Meinung, dass ich so überzeugend mit meinen Argumenten bin, dass er keine andere Wahl hat, als einen totalen Rückfall zu erleiden. Seiner Meinung nach habe ich ihn in eine lebenslange Abhängigkeit zurück gezwungen, die seine Gesundheit beeinträchtigen und ihn letzten Endes sein Leben kosten wird. Er ist davon überzeugt, dass er nur dieses einzige Mal geraucht und es dann nie wieder getan hätte – wenn ich nicht so einen Aufstand wegen der Angelegenheit gemacht hätte. Wie kann ich nachts schlafen, wenn ich weiß, was ich getan habe?
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Ich schlafe recht gut, danke schön. Denn sehen Sie, ich bin nicht dafür verantwortlich, dass diese Leute zu Ihren Zigaretten zurückgekehrt sind. Diese Lorbeeren können sie selbst einheimsen. Sie sind rückfällig geworden, weil sie ein Hauptgesetz der Nikotinsucht gebrochen haben – sie haben einen Zug genommen. Das Gesetz habe nicht ich gemacht. Ich mache mich nicht zum Richter, zum Geschworenen oder zum Henker. Das Gesetz der physiologischen Sucht bedeutet, dass die Verabreichung einer Droge den Abhängigen zu der Wiederherstellung der Abhängigkeit von dieser Substanz führt. Ich habe dieses Gesetz nicht geschrieben. Ich mache dieses Gesetz nicht rechtsgültig. Meine Aufgabe ist viel einfacher. Alles, was ich mache, ist dieses Gesetz zu interpretieren. Es bedeutet, dass der Raucher, wenn er einen Zug von einer Zigarette nimmt, entweder zum Rauchen zurückkehrt oder aber den mit dem Aufhören verbundenen Entzugsprozess durchläuft. Die meisten wählen nicht den Entzug.
Jede Gruppe hat eine Anzahl an Teilnehmern, die in der Vergangenheit einmal ein Jahr lang oder länger mit dem Rauchen aufgehört hatten. Tatsächlich hatte ich einmal einen Mann in einer Gruppe, der für 24 Jahre aufgehört hatte, bevor er rückfällig wurde. Er hatte nie gehört, dass ein solches Gesetz existierte, dass der Ex-Raucher selbst nach 24 Jahren nicht völlig von der Gefangenschaft durch die Sucht befreit ist. Er hatte nicht verstanden, dass er an dem Tag, als er seine „letzte“ Zigarette wegwarf, für den Rest seines Lebens „auf Bewährung“ gesetzt worden war. Die Unkenntnis über dieses Gesetz ist jedoch nicht entschuldbar – sie liegt in der Art und Weise begründet, in der physiologische Naturgesetze geschrieben sind. Legt man den Maßstab der amerikanischen Justiz an, erscheint dies grausam und eine ungewöhnliche Bestrafung. So ist es aber nun mal.
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Statt in eine Raucher-Beratungs-Gruppe zu gehen, sollte eine kürzlich rückfällig gewordene Person vielleicht Kontakt mit ihrem Anwalt aufnehmen, damit dieser für ihren Fall plädiert und auch darüber, warum es ihr möglich sein sollte, gelegentlich eine Zigarette zu rauchen, wann immer sie es wünscht. Vielleicht kommt sie dieses Mal damit durch, vielleicht bekommt sie mitfühlende Geschworene, wird für unschuldig befunden und kann den Gerichtssaal als freier und unabhängiger Mensch verlassen. Wenn sie ihren Fall vor zwölf unparteiischen Menschen darstellt, wird sie sicherlich kein Problem damit haben, diese davon zu überzeugen, dass sie unschuldig ist und nichts Falsches getan hat. Und sie wird wahrscheinlich, wenn sie als freier und unabhängiger Mensch aus dem Gericht hinausgeht, ein unkontrollierbares Bedürfnis verspüren und dann eine Zigarette anzünden.
Suchen Sie im Gesetz der Sucht nicht nach Gesetzeslücken. Sie werden sich selbst dazu überreden, zum Rauchen zurückzukehren. Während dies sich harsch und unfair anhören mag, ist das Rauchen für viele ein Verbrechen, das mit dem Tode bestraft werden kann. Versuchen Sie nicht, das System zu betrügen – nehmen Sie nie wieder einen einzigen Zug!
This Article is reproduced from “Never Take Another Puff”; Copyright © Joel Spitzer, 2003 This book or any portion thereof may be freely distributed in either electronic or print form so long as no charge is made for it, and so long as this notice remains with any significant portion of the work when distributed. WhyQuit.com »











