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19:16 Uhr | Sonntag, 28. Juni 2009  

Gastartikel

  

Der Fan Brief

Lieber Julio:
Ich muss Ihnen jetzt einfach diesen Brief schreiben, weil ich Ihnen beweisen möchte, dass ich Ihr größter Fan bin. Ich weiß, dass Sie das auch von anderen hören. Aber wenn Sie erst einmal meine Geschichte gehört haben, werden Sie sicherlich zustimmen, dass nur wenige so viel riskieren würden wie ich, nur, um Sie in einer Vorstellung zu hören.

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Sehen Sie, ich habe Schwierigkeiten beim Atmen, es ist in letzter Zeit so schlimm geworden, dass ich einen Termin beim Arzt ausgemacht habe. Im allgemeinen vermeide ich es, mit meinem Doktor über jegliche Atmungsschwierigkeiten zu reden. Wissen Sie, ich rauche seit über 40 Jahren eineinhalb Schachteln am Tag, und wenn ich dann über Schwierigkeiten beim Luftholen spreche, dann hält er mir ja doch nur wieder einen Vortrag. Aber dieses Mal war es so schlimm, dass ich dachte, ich erzähle es ihm lieber.
Ich fand also heraus, dass ich ein Lungenemphysem im Frühstadium habe. Ich hätte nie gedacht, dass mir das einmal passiert. Als der Arzt dieses Mal sagte, ich müsse aufhören zu rauchen, habe ich das zum ersten Mal ernst genommen. Immerhin sprach er diesmal nicht über das, was vielleicht in Zukunft passieren könnte, sondern darüber, was schon passiert war, und was mich erst verkrüppeln und dann umbringen würde, wenn ich nicht sofort etwas unternähme. Sehen Sie, jeder Zug, den ich nun nehme, zerstört ein bisschen mehr von meiner Lunge und nimmt mir für immer ein Stück von meiner Fähigkeit zu atmen.
Ich kann Ihnen versichern, dass ich noch nie in meinem Leben so viel Angst gehabt habe. Er schlug eine Beratungsgruppe vor, und ich habe mich sofort angemeldet. Ich bin am ersten Tag hingegangen, aber ich war ziemlich skeptisch, ob ich es schaffen würde, für nur 24 Stunden nicht zu rauchen. Zu meiner Überraschung habe ich tatsächlich den ganzen Tag durchgehalten. Es war hart, und ich war nicht sicher, ob ich das die nächsten 24 Stunden auch schaffen würde, aber ich habe darum gekämpft, weiter atmen zu können.
Als ich am nächsten Abend zum Kurs kam, hatten elf Leute 24 Stunden nicht geraucht. Alle waren total nervös, manche waren sogar körperlich krank, weil sie nicht geraucht hatten, aber wir dachten alle an diesen ganzen Tag und waren sehr stolz darauf. Wir fühlten uns durch ein gemeinsames Band verbunden.
Der Kurs trifft sich während der ersten Woche jeden Abend. Unser Gruppenleiter sagte, dass es sehr schwierig sein könne, die ersten 72 Stunden zu überstehen. Es sei erträglicher, wenn man sich darauf konzentriere, es bis zum nächsten Abend zu schaffen, als wenn man darüber nachdenken würde, es für den Rest seines Lebens zu schaffen. Er sagte, es sei extrem wichtig, diese frühen Treffen zu besuchen, nicht nur wegen der Informationen, sondern auch wegen der Unterstützung und Motivation während dieser entscheidenden Zeit. Jeder stimmte ihm zu, dass es für den nächsten Tag sehr motivierend wirke, wen man bei den Treffen dabei sei.
Der Kursleiter betonte noch einmal, dass wir unseren Terminplan so arrangieren sollten, dass wir an allen Kursabenden teilnehmen könnten. Er sagte, es gebe nichts in unserem Leben, welches in dieser Woche so wichtig sei, wie mit dem Rauchen aufzuhören. Alles, was wir zu Hause oder in der Arbeit verschieben müssten, könnten wir auch nächste Woche oder irgendwann später in unserem Leben tun, aber wenn wir es jetzt nicht schafften aufzuhören, könnte uns das unsere Gesundheit kosten oder unser Leben.
Als der Gruppenleiter die Bemerkung machte, dass es nichts in unserem Leben gebe, das so wichtig sei, wie mit dem Rauchen aufzuhören, wusste er ja nicht, dass ich Tickets für Ihr Konzert am nächsten Abend hatte. Ich dachte, das sei ja wohl eine Ausnahme. Immerhin waren Sie nur die eine Woche da. Aber Julio, ich bin richtig erschrocken, denn ich habe ihm erzählt, warum ich zum nächsten Kursabend nicht kommen könne, aber er stimmte mir nicht zu, obwohl er sah, wie zittrig ich war. Stattdessen wies er mich an, ich solle das Konzert vergessen und lieber zum Kursabend kommen. Er benahm sich, als sei es eine faule Ausrede, dass ich seinen Kurs wegen Ihres Konzertes nicht besuchen wollte! Aber so wichtig mir auch mein Atmen ist, ich wusste, es war wichtiger, Sie zu sehen.
Also bin ich am nächsten Abend zu Ihrem Konzert gegangen, Julio. Und es war großartig – genau wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich wusste, dass ich die richtige Wahl getroffen hatte. Am nächsten Tag habe ich dann leider wieder angefangen zu rauchen. Komisch, alle anderen, die an dem Abend zum Kurs gegangen sind, schafften den nächsten Tag und sogar das ganze Wochenende. Tatsächlich sind sie immer noch alle rauchfrei. Aber sie haben Sie an dem Abend nicht zu sehen bekommen. Wer hat hier also das bessere Geschäft gemacht?

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Wie auch immer, meine Atmung wird schlechter, und ich bin mir nun nicht sicher, ob ich bald wieder mit dem Rauchen aufhören werde. Wenn der Kursleiter und der Arzt recht haben, wird das Rauchen meine Gesundheit vielleicht so beeinträchtigen, dass ich Ihr nächstes Konzert nur noch unter Schwierigkeiten besuchen kann. Vielleicht geht es auch gar nicht mehr. Sie stimmen mir sicher zu, dass ich viel geopfert habe, um Sie zu sehen, vielleicht sogar mein Leben. Ich bin mir jedoch auch sicher, dass Sie mit mir darin übereinstimmen würden, dass es richtig war, so zu handeln, nicht wahr, Julio?
Wenn Sie das nächste Mal bei mir in der Nähe sind, mag ich körperlich nicht in der Lage sein, Sie zu sehen. Vielleicht können Sie als Belohnung für mein Opfer zu mir kommen und mir eine Privatvorstellung geben. Aber ich weiß, dass Sie ein viel beschäftigter Mann sind, und wenn Sie es nicht zu mir nach Hause oder an mein Krankenhausbett schaffen, bin ich Ihnen nicht böse. Ich bin schließlich Ihr größter Fan, und Sie haben meine unerschütterliche Zuneigung

Ein unsterblicher Fan?

Über den Autor

Quit Smoking This Article is reproduced from “Never Take Another Puff”; Copyright © Joel Spitzer, 2003 This book or any portion thereof may be freely distributed in either electronic or print form so long as no charge is made for it, and so long as this notice remains with any significant portion of the work when distributed. WhyQuit.com »


 

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