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18:54 Uhr | Sonntag, 28. Juni 2009  

Gastartikel

  

Der heimliche Raucher

„Ich kann zu den restlichen Sitzungen nicht kommen. In meiner Familie weiß keiner, dass ich rückfällig geworden bin, und wenn ich die nächsten fünf Abende hier herkommen muss, dann muss ich ihnen ja sagen, wo ich hingehe. Danach könnte ich ihnen nicht mehr in die Augen schauen.“ Ich hatte schon einige Seminarteilnehmer, die rückfällig geworden waren und mir nach dem ersten Abend sagten, dass sie es lieber alleine versuchen wollten, ohne die Unterstützung durch die Gruppe und die restlichen Sitzungen. Sie wollten die Scham umgehen, zugeben zu müssen, dass sie rückfällig geworden waren. Manche hören nach der ersten Sitzung tatsächlich auf zu rauchen, andere jedoch rauchen weiter, weil sie alleine einfach nicht die notwendige Motivation aufbringen, die erste Entzugsphase durchzustehen.

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Was für diese heimlichen Raucher folgt, ist ein Leben, das viel komplizierter ist als die Komplizierung durch mögliche lebensbedrohliche Gesundheitsrisiken durch das Rauchen. Denn viel unmittelbarer als das Gesundheitsrisiko bedroht einen die ständige Gefahr des Entdecktwerdens, wenn man eine Lüge lebt. Dies vermindert drastisch die Menge, die geraucht wird. Der heimliche Raucher raucht nur dann, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Aber dies bedeutet, dass er viele Stunden am Tag, womöglich sogar den ganzen Tag, in einem ständigen Entzugszustand verbringt. Wann bekommt er die Chance auf eine schnelle Zigarette, was macht er nur, wenn ihn jemand sieht? Was denkt die Person dann von einem? Wem wird sie es alles erzählen? Wenn man nicht gesehen wird, was ist mit dem Geruch? Eine Zeit lang mag der Raucher behaupten, der Geruch käme vom Passivrauchen, aber das führt sie nur noch tiefer in die Verschleierung. Wenn er dann letzten Endes dann erwischt wird, werden alle wissen, dass er die ganze Zeit gelogen hat, wenn ein ihm nahe stehender Mensch gemeint hatte, Rauch an ihm zu riechen.
Manche lesen dies vielleicht und denken: „Wen kümmert es, was andere denken?“ Sie sollten aber verstehen, dass es für diese Art von Raucher extrem wichtig ist, was andere über ihre Stärke und Integrität denken. Falls dem nicht so wäre, hätten sie sich nicht dem anfänglichen Dilemma ausgesetzt, wie sie zur Gruppenbesprechung kommen konnten, ohne ihre Niederlage einzugestehen. Sie stecken im chronischen Entzug fest und in der chronischen Gefahr entdeckt zu werden, und das alles für den Luxus, hier und da eine Zigarette einzuschmuggeln, um für kurze Zeit den Entzug zu mindern, wann immer es möglich ist. Es ist offensichtlich, dass der heimliche Raucher nicht wegen des Genusses raucht. Während des Rauchens kann er es nicht genießen, weil er Angst haben muss, dass man ihn erwischt. Der Grund, warum er jede Möglichkeit nutzt, sich eine Zigarette anzuzünden, ist ganz einfach: Der Nikotinabhängige bekommt endlich seinen lang ersehnten Nikotinfix, einen Fix, der gar nicht nötig wäre, wenn er einfach aufhören würde zu rauchen und so den teuflischen Entzugskreislauf durchbrechen würde.
Die einzig logische Lösung für dieses Problem besteht darin, mit dem Rauchen aufzuhören. Aber auch wenn es der heimliche Raucher letzten Endes schafft, erfolgreich aufzuhören: Da er ja offiziell schon längst aufgehört hat, wie soll er bloß seine extremen Stimmungsschwankungen und andere körperliche Entzugserscheinungen während der ersten Tage des Entzugs erklären – einschließlich der Fragen, warum er manchmal so gereizt und irrational zu reagieren scheint? Es ist sicher peinlich, den Rückfall zuzugeben, aber es ist aller Wahrscheinlichkeit nach die bessere Lösung. Geben Sie Ihren Rückfall zu und nehmen Sie sich die Zeit für eine Selbsthilfegruppe. Lassen Sie auch die Menschen um Sie herum wissen, was Sie gerade durchmachen. Ihre Nächsten werden Ihnen oft die beste Unterstützung und das größte Verständnis entgegenbringen, aber nur, wenn sie auch wissen, dass ihre Hilfe benötigt wird.

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Sobald Sie einmal aufgehört haben, tun Sie alles was in Ihrer Macht steht, damit Sie diesen Prozess nie wieder durchmachen müssen. Rauchen wird teurer sein, als Sie es in Erinnerung haben, gesellschaftlich noch weniger akzeptabel, genau so ungesund und könnte Sie immer noch das Leben kosten. Es kann Ihre soziale Stellung beeinflussen, indem es dazu führt, dass sich viele sowohl über Ihre allgemeinen Empfindlichkeiten Gedanken machen werden, als auch über Ihren Mangel an Interesse für alle Nicht- und Ex-Raucher um Sie herum. Wenn Sie versuchen, die Tatsache zu verbergen, dass Sie rückfällig geworden sind, setzen Sie sich der Gefahr aus, ertappt zu werden und dann als Lügner und Betrüger angesehen zu werden – und das alles für die „Freude“ eines Nikotinfixes. Vergessen Sie nie, wie jeder Tag für Sie als Raucher war. Dies wird es Ihnen viel leichter machen zu sagen: Nie wieder einen einzigen Zug!

Über den Autor

Quit Smoking This Article is reproduced from “Never Take Another Puff”; Copyright © Joel Spitzer, 2003 This book or any portion thereof may be freely distributed in either electronic or print form so long as no charge is made for it, and so long as this notice remains with any significant portion of the work when distributed. WhyQuit.com »


 

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