Nichtraucher-Zigaretten.de

    
17:43 Uhr | Sonntag, 28. Juni 2009  

Gastartikel

  

Die Isolation einer verwitweten Raucherin

Das Leben war langweilige Routine geworden. Sie machte nur noch, was notwendig war, um den Anschein einer normalen Existenz weiter aufrecht zu erhalten. Aufgewacht, Zigarette geraucht. Sich gewaschen, Zähne geputzt, Zigarette geraucht. Gefrühstückt, Zigarette geraucht. Ein bisschen geputzt, Staub gesaugt und eine Zigarette geraucht. Etwas ferngesehen, dabei eine Zigarette geraucht. Sich ein Butterbrot zu Mittag geschmiert, dabei eine Zigarette geraucht. Kurz ein Mittagsschläfchen gemacht, dann aufgewacht, um eine Zigarette zu rauchen. Zeitung gelesen, dabei eine Zigarette geraucht. Einkaufszettel geschrieben, Zigarette geraucht. Sich zum Einkaufen fertig gemacht, dabei eine Zigarette geraucht. Zum Supermarkt gefahren, Zigarette geraucht.

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Kurz davor, das Geschäft zu betreten, aber dann doch noch mal Halt gemacht und vorher noch schnell eine Zigarette geraucht. An der Kasse bezahlt, raus aus dem Laden und gleich eine Zigarette geraucht. Heimgefahren und angefangen, das Abendessen vorzubereiten, Zigarette geraucht. Zu Abend gegessen, danach eine Zigarette geraucht. Tisch abgeräumt, Geschirr gespült und eine geraucht. Noch etwas ferngesehen, dabei zwei Zigaretten geraucht. Sich gewaschen, Zähne geputzt und sich fürs Bett fertig gemacht, Zigarette geraucht. Zu Bett gegangen, Zigarette geraucht. Eingeschlafen.
Seit dem Tod ihres Mannes vor vielen Jahren schien in ihrer normalen, alltäglichen Existenz für sie nichts von Bedeutung zu sein oder ihr wirklich Glück zu schenken. Wochen vergingen, in denen sie kaum ein Lächeln zustande brachte. Fast nichts schien ihr noch Freude zu bereiten. Aber heute war alles anders. Nach dem Frühstück klingelte das Telefon. Sie griff schnell nach einer Zigarette. Beim vierten Klingeln hatte sie es ans Telefon geschafft und nahm den Hörer ab. Es war ihre Tochter. Sie wohnte nur eine Stunde weit weg, aber ihr Beruf war ihr wichtig, der Terminkalender ihres Mannes war immer voll, und natürlich mussten die Kinder zur Schule, zum Fußball, zur Klavierstunde, zum Balletttraining etc. Von daher konnte die Familie ihrer Tochter sie nur gelegentlich besuchen. Zu ihrer freudigen Überraschung kündigten sie sich für Samstag an, um den Tag mit ihr zu verbringen.
Zum ersten Mal seit Wochen schien sie wirklich glücklich zu sein. Sobald sie aufgelegt hatte, griff sie nach einer Zigarette. Den Besuch der Kinder musste sie planen und vorbereiten. Sie rief beim Friseur an und machte einen Termin am Nachmittag aus. Als sie einhängte, nahm sie eine Zigarette. Sie zog sich an und machte sich zum Einkaufen fertig, aber vorher rauchte sie noch rasch eine Zigarette. Im Auto auf dem Weg zum Einkaufen rauchte sie noch schnell zwei Zigaretten, denn sie wusste ja, dass sie im Supermarkt nicht rauchen können würde. Sie schritt schnell die Gänge auf und ab, und ihr Gang war beschwingt, denn sie freute sich doch so auf den Besuch. Als sie das Geschäft verließ, eilte sie zum Auto und zündete sich dort eine Zigarette an. Sie fuhr nach Hause, räumte die Lebensmittel weg, machte sich einen Happen zu Essen, aß, rauchte eine und verließ dann schnell wieder das Haus, denn sie hatte ja ihren Friseurtermin. Dort rauchte sie und sprach mit den anderen Kundinnen, und sie strahlte, als sie ihnen von ihren aufregenden Wochenend-Neuigkeiten erzählte.
Als sie nach Hause kam, rauchte sie eine Zigarette, und fing an, die Pute für das Abendessen am Samstag vorzubereiten. Sie rauchte und aß, rauchte und kochte und rauchte und machte sich fürs Bett fertig. Eine letzte Zigarette, und sie döste langsam ein, selig und aufgeregt über die Freude, die der nächste Tag bringen würde.
Als sie aufwachte, griff sie aufgeregt zur ersten Zigarette. Sie stand auf, wusch sich, putzte Zähne und rauchte eine weitere Zigarette. Sie aß ihr Frühstück und rauchte wieder. Sie fing damit an, das Festmahl vorzubereiten und rauchte mehrere Zigaretten. Obwohl sie sich dessen nicht bewusst war, rauchte sie mehr als gewöhnlich. Jahre der Erfahrung hatten sie gelehrt, dass sie nicht rauchen durfte, wenn die Enkel in der Nähe waren, also wollte sie genug Nikotin intus haben, wenn sie auftauchten. In letzter Minute noch ein wenig Putzen, Kochen und Rauchen. Sie war bereit.

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Da klingelt es an der Tür. Sie eilt zur Tür und öffnet. Ihre Familie ist da! Jeder ist ganz aufgeregt. Sie küsst den Jüngsten, und der sagt, „Och Oma, du riechst wie ein alter Aschenbecher.“ Sie hatte sich an solche Kommentare gewöhnt, sie liebte ihn trotzdem. Nachdem sie eine Viertelstunde mit den Enkeln, ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn gesprochen hatte, gehen sie und ihre Tochter in die Küche, um das Essen vorzubereiten. Nach ungefähr zwei Stunden verspürt sie ein leichtes Zwicken nach einer Zigarette. Aber sie weiß, dass sie nicht rauchen darf. Die Kinder rennen wie verrückt durchs Haus. Mit jeder Stunde wird ihre Geduld weiter auf die Probe gestellt. Viel zu laut, denkt sie bei sich, meine Güte, ich wünschte, ich könnte endlich eine rauchen. Sie fängt an, über leichte Kopfschmerzen zu klagen. Man beschließt früher zu essen, Großmutter sieht ein bisschen müde und leicht genervt aus. Alle setzen sich zum Essen. Der Truthahn ist wunderbar, und alle genießen ihn.
Aber Großmutter scheint es immer schlechter zu gehen. Vier Stunden sind vergangen, und immer noch keine Zigarette. Nach dem Essen beschließen alle, dass Großmutter jetzt Ruhe braucht, und dass sie lieber früher aufbrechen sollten. Sie gibt allen einen Abschiedskuss und bringt sie zur Tür. Sobald sich die Tür schließt, eilt sie zu ihrer Schachtel und raucht drei Zigaretten hintereinander. Endlich fühlt sie sich besser. Sie sitzt in einem leeren, stillen Zimmer und denkt daran, wie einsam sie sich fühlt und wie traurig sie ist, dass sie so früh gehen mussten. Aber wenigstens hat sie ihre Zigaretten. Und es war ein langer Tag. Sie wäscht sich, putzt Zähne, zieht ihr Nachthemd an und raucht noch eine letzte Zigarette.
Morgen wird wieder ein Tag wie jeder andere.

Über den Autor

Quit Smoking This Article is reproduced from “Never Take Another Puff”; Copyright © Joel Spitzer, 2003 This book or any portion thereof may be freely distributed in either electronic or print form so long as no charge is made for it, and so long as this notice remains with any significant portion of the work when distributed. WhyQuit.com »


 

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