Gastartikel
„Nur ein einziger kleiner Zug?“
Für viele ist das Konzept schwer zu verstehen, dass ein einziger kleiner Zug zu einem ausgewachsenen Rückfall führen kann. Es erscheint einigen Leuten einfach nicht logisch. Sollten Sie jedoch jemals in die Situation geraten, dass Sie mit sich selbst über die Idee diskutieren, ob Sie es sich nicht eventuell doch erlauben können, „nur eine“ zu rauchen oder nicht, dann denken Sie an ein Familienmitglied oder an einen Freund, der Ihnen sehr viel bedeutet.
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Von diesem Menschen wissen Sie, dass er ein cleaner Heroin- oder Kokainabhängiger ist, und zum ersten Mal seit Monaten oder Jahren denkt er nun darüber nach, seine Droge gelegentlich und nur zum Vergnügen zu benutzen. Stellen Sie sich Ihren Schock und Ihr Entsetzen vor, wenn Sie auch nur daran denken – ganz besonders dann, wenn Sie ihn kannten, als er auf dem Gipfel seiner Sucht war und diese fast jeden Aspekt seines Lebens ruinierte, als er vielleicht sogar sein Leben aufs Spiel setzte.
Würden Sie zu diesem Menschen sagen: „Na ja, vielleicht kannst du jetzt besser damit umgehen, vielleicht kannst du ja herausfinden, ob du mit nur einer zurecht kommst?“ Würden Sie die Notwendigkeit verspüren, ein wenig Forschung in ein paar aktuellen Zeitschriften zu betreiben um herauszufinden, ob „eine einzige“ nun vielleicht doch eine Option darstellt? Würden Sie sich vielleicht sogar in einige neurologische Zeitschriften vertiefen, um zu sehen, ob Wissenschaftler inzwischen die Neurotransmitter besser in den Griff bekommen haben, die erklären könnten, warum eine Sucht etabliert wird? Dann könnten Sie vielleicht sagen: „Hm, sie beginnen gerade damit ein bisschen besser zu verstehen, wie Sucht funktioniert und können vielleicht bald Deine Gehirn-Physiologie verändern. Wenn Du also jetzt wieder rückfällig wirst, ist das keine große Sache, denn die Entwicklung eines Heilmittels steht unmittelbar bevor – vielleicht ist es sogar schon in ein paar Jahren soweit.“ Wahrscheinlicher ist es, dass Sie diesen Gedanken abwinken und sagen: „Wenn du das machst, gehst du genau dorthin zurück, wo du in der Anfangszeit warst, nachdem du mit dem Rauchen aufgehört hast. Du wirst in deinem Leben und dem Leben aller, die um dich herum sind, einen echten Schlamassel anrichten.“
Die Chancen stehen gut, dass Sie den letzteren Weg einschlagen würden. Sie wären entsetzt und würden fest darauf bestehen, dass er es nicht tun sollte – es wäre dumm und noch schlimmer, selbstmörderisch. Es gibt wirklich keinen Unterschied zwischen diesem Szenario und der Vorstellung von „Vielleicht kann ich nur eine rauchen, und zwar jetzt“.
Nun, es gibt doch einen Unterschied. Er ist nicht medizinisch oder physikalisch begründet, sondern eher gesellschaftlich. Unsere Gesellschaften sind noch nicht über Nikotinsucht unterrichtet worden. Die Menschen sind über Sucht und andere Drogen informiert worden. Obwohl Nikotin abhängiger macht als die meisten anderen suchterzeugenden Substanzen und obwohl Nikotin vielleicht sogar die süchtig machendste Substanz überhaupt ist, verstehen viele Menschen immer noch nicht, dass jegliche Verabreichung der Droge einen Rückfall verursachen kann, obwohl sie dies über die meisten anderen abhängig machenden Drogen wissen.
Wie oft hat Sie jemand gefragt (nachdem er herausgefunden hat, dass Sie mit dem Rauchen aufgehört haben): „Was denn, Sie wollen sagen, Sie haben nicht einmal eine einzige geraucht?“ Dies ist ein so alberner Kommentar, und doch ist er so häufig zu hören. Oder wie viele Male haben Sie von medizinischen Organisationen veröffentlichte Literatur gesehen, welche einem cleanen Abhängigen raten, sich nicht von einem Ausrutscher zum aktiven Gebrauch verleiten zu lassen? Die Botschaft ist in Bezug auf andere Drogen immer klar und konsistent gewesen, die Botschaft lautete immer „Sie dürfen keinen Ausrutscher haben“.
Jeder hier ist mit dieser Unstimmigkeit konfrontiert worden, nicht nur, seitdem er aufgehört hat zu rauchen, sondern auch über die Jahre und Jahrzehnte hinweg, in denen er noch rauchte. Sie müssen nun eine Denkweise verändern, die Teil Ihrer Kultur ist, welcher Kultur Sie auch immer angehören. Die überall vorhandene Einstellung der Gesellschaft um Sie herum ist falsch.
Die Gesellschaft mag die Gefahren des Rauchens akzeptieren, aber sie begreift immer noch nicht das Konzept der Abhängigkeit. Sie müssen schlauer und informierter sein als die Sie umgebende Gesellschaft und vielleicht sogar als diejenigen, die für Ihre Gesundheitsvorsorge zuständig sind. Es ist eine große Hürde, einen Menschen zu bitten, anders als die gesamte Gesellschaft zu denken, aber in Hinblick auf das Rauchen ist es erforderlich.
Wenn man nicht fanatisch gegen einen einzigen Zug ist, sind die Konsequenzen zu ernsthaft, als dass sie einfach so abgetan werden könnten. Sie werden den Verlust Ihres rauchfreien Daseins bedeuten, und das wiederum kann leicht mit dem Verlust Ihrer Gesundheit und letztendlich dem Verlust Ihres Lebens gleichgesetzt werden. Sie müssen zu jeder Zeit wachsam sein, Sie müssen sich selbst daran erinnern, dass Sie ein Süchtiger auf dem Weg zur Heilung sind.
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Mit der Zeit gibt es vielleicht keine Anzeichen der Sucht mehr, Gedanken an Zigaretten sind zu seltenen Ereignissen geworden oder kommen vielleicht sogar gar nicht mehr vor. Aber selbst in diesem Stadium ist eine zum Stillstand gebrachte Sucht immer noch vorhanden, und diese kann Sie mit voller Wucht erwischen, wenn Sie sich verkalkulieren – wenn Sie denken, dass Sie vielleicht anders sind.
Sie unterscheiden sich kein bisschen von jedem anderen Drogenabhängigen, egal ob es sich bei der Droge um Alkohol, Kokain, Heroin oder sonst etwas handelt. Sie sind ein Abhängiger für Ihr ganzes Leben. Aber solange Sie die Droge nicht in Ihren Körper lassen und sie ihm nie wieder verabreichen, werden Sie nie wieder in dieser nach unten rauschenden Achterbahn sitzen, welche die Droge in Bewegung gesetzt hat. In bezug auf das Rauchen führt die Achterbahn zum Verlust Ihrer Freiheit, Ihrer Gesundheit und Ihres Lebens, was bedeutet, dass Sie alles verlieren können.
Um zu behalten, was Sie haben, erinnern Sie sich daran, dass es absolut erforderlich ist, nie wieder einen einzigen Zug zu nehmen.
This Article is reproduced from “Never Take Another Puff”; Copyright © Joel Spitzer, 2003 This book or any portion thereof may be freely distributed in either electronic or print form so long as no charge is made for it, and so long as this notice remains with any significant portion of the work when distributed. WhyQuit.com »











