Gastartikel
Ich habe so lange und so viel geraucht, was bringt es, wenn ich jetzt aufhöre?
Am dritten Tag in einer meiner letzten Beratungsseminare fragte eine Teilnehmerin in den späten Fünfzigern, die seit etwas über 48 Stunden nicht mehr geraucht hatte, eine dieser Fragen, die ich in der Vergangenheit schon Hunderte von Malen gehört habe: „Ich habe so lange und so viel geraucht, was bringt es mir, wenn ich jetzt aufhöre?“ Ich konnte innerhalb weniger Minuten erklären, warum sie solche Gedanken hatte – Gedanken, mit denen sie sich zu überzeugen versuchte, dass sie nicht wirklich mit dem Rauchen aufzuhören brauchte. Ich erklärte ihr, dass sie gerade in der „Verhandlungsphase“ mit sich selbst sei, die alle Menschen durchmachen, die gerade aufgehört haben zu rauchen.
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Ein paar Minuten später erzählte sie mir eine Episode aus ihrer persönlichen Familiengeschichte, die eine bessere Antwort auf ihre ursprüngliche Frage gab, als sie mir je hätte einfallen können. „Mein Vater war Kettenraucher“, sagte sie. „Mit 60 hat er aufgehört, weil er einen Herzinfarkt hatte. Danach hat er nie wieder geraucht. Und obwohl er ja herzkrank war, fühlte er sich nach dem Aufhören besser als in all den Jahren zuvor. Viel mehr Ausdauer, eine größere Vitalität. Mit 95 ist er dann gestorben, und er war klar und vital bis zum Ende.“
Am sechsten Abend des Workshops rief ich sie an, um zu sehen, ob sie es ohne Schwierigkeiten durch die Woche geschafft hatte. „Ich fühle mich so schlecht“, war die Antwort. „Ich hatte gestern einen schrecklichen Abend, und heute früh in der Arbeit gab es ein Riesenproblem mit einem Klienten. Durch den Schlafmangel und den ganzen Frust war ich so kaputt, dass ich am Schluss doch nachgegeben habe und mir eine Zigarette genommen habe. Seitdem bin ich völlig fertig. Im Moment bin ich deprimierter als je zuvor. Warum quäle ich mich bloß so, und was soll ich jetzt machen?“
Ich sagte ihr, dass sie zwei Optionen hätte: Sofort aufhören und einem möglichen Entzug von drei Tagen ins Auge sehen oder wieder zum vollständigen Raucher werden. Wenn sie sich nicht entscheiden würde, dann würde ihr Körper die Entscheidung für sie treffen. Noch einmal erklärte sie mir, dass sie völlig am Ende sei. Sie wollte wissen, warum sie so aufgebracht über sich selbst sei. Sie konnte einfach nicht glauben, dass eine einzige Zigarette so wichtig sein könnte, um deshalb zu einer solch großen Angelegenheit zu werden.
Nach einigen Minuten erzählte sie mir, dass ihr Mann einmal drei Jahre lang nicht mehr geraucht hatte. Eines Tages hatten sie zusammen im Auto gesessen, und aus irgendwelchen Gründen hatte er sich eine Zigarette von ihr geschnorrt. Sie hatte noch mit ihm diskutiert, warum eine Zigarette nach dieser langen Zeit für ihn gut sein sollte, aber er hatte sie überzeugt, dass es schließlich kein großes Problem sei. Sie hatte bei sich gedacht, sie habe kein Recht zu protestieren, denn sie war ja selbst Kettenraucherin. Letztendlich hatte er seinen Willen bekommen. Danach hat er nie mehr aufgehört zu rauchen. Vier Jahre später erhielt sie einen Anruf im Büro, dass ihr Mann im Haus seiner Mutter zusammengebrochen sei. Als der Arzt bei ihm ankam, war es schon zu spät: Er war an einem plötzlichen, völlig unerwarteten Herzinfarkt gestorben. Sie hat wenig Zweifel darüber, dass die letzten vier Jahre des Rauchens als einer der Hauptfaktoren zu seinem plötzlichen und frühzeitigen Tod beigetragen haben.
Warum machte sie also jetzt so ein Aufheben um eine einzige Zigarette? Wieder einmal gab ihr ihre eigene Geschichte eine viel bessere Antwort, als ich sie jemals hätte formulieren können: Die eine Zigarette im Auto damals hatte dabei geholfen, das Leben ihres Mannes vorzeitig zu beenden. Wenn er gewusst hätte, welche Auswirkungen diese eine Zigarette haben würde, hätte er niemals länger als eine Sekunde einen Gedanken daran verschwendet. Nun konnte sie auf diesen schicksalhaften Tag zurückblicken und sehen, wie der kurze Drang zu rauchen, kombiniert mit Unwissen, dazu beigetragen hatte, das Leben ihres Mannes entscheidend zu verkürzen.
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Die Intensität ihrer eigenen Erfahrungen mit dem Rauchen brachte sie dazu, so hart mit sich ins Gericht zu gehen. Sie hatte selbst gesehen, wie das Rauchen die Lebensqualität ihres Vaters vermindert hatte und ihm fast einen vorzeitigen Tod beschert hätte. Ebenso wichtig ist, dass sie selbst gesehen hatte, wie entscheidend sich seine Gesundheit und sein Wohlergehen verbessert hatten, als er aufgehört hatte zu rauchen. Sie war selbst Zeugin geworden, wie der kleine Lapsus ihres Mannes vor ein paar Jahren dazu geführt hatte, dass sie einen solch schweren Verlust erleiden musste. Wenn ihr Mann die Möglichkeit dazu hätte, würde er sicherlich den Tag, an dem er diese eine Zigarette angezündet hat, verfluchen.
Sie hatte den Vorteil der Rückschau, und es machte ihr zu schaffen, denn sie hatte genau denselben Fehler gemacht wie er damals. Er hatte nie wieder die Chance bekommen, noch einmal mit dem Rauchen aufzuhören. Sie aber hatte noch Zeit, diese Entscheidung zu treffen – und sie fragte mich, was sie nun tun sollte!
Noch einmal: Ich bin sicher, dass ihre eigenen persönlichen Erfahrungen und ihre direkten emotionalen Reaktionen ihr eine viel bessere Antwort gaben, als ich es je gekonnt hätte. Ich sagte ihr, sie solle auf ihr Herz hören, denn es sagte ihr sicherlich: Nie wieder einen einzigen Zug!
This Article is reproduced from “Never Take Another Puff”; Copyright © Joel Spitzer, 2003 This book or any portion thereof may be freely distributed in either electronic or print form so long as no charge is made for it, and so long as this notice remains with any significant portion of the work when distributed. WhyQuit.com »
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