Gastartikel
Neue Wutreaktionen für den Ex-Raucher
Mit emotionalem Verlust umzugehen hat Ähnlichkeiten damit, wie man mit Zorn hinsichtlich des Aufhörens und dessen Nachwirkungen umgeht. Wenn Raucher auf eine Person oder Situation treffen, die sie verärgert, dann spüren sie eine anfängliche Frustration, und je nachdem, wie ernst die Situation ist, schäumen sie innerlich vor Wut. Dieser Effekt ist für Nichtraucher oder Ex-Raucher gelinde gesagt ärgerlich. Jemand, der nicht aktiv süchtig ist, wird den Konflikt dadurch zu lösen versuchen, dass er die Situation auflöst.
Wenn sich die Situation nicht kurzfristig lösen lässt, braucht er Zeit, in der er die Frustration abbauen und so weitermachen kann. Ein aktiver Raucher, der in genau die gleiche Stresssituation gerät, hat noch mit zusätzlichen Komplikationen zu kämpfen. Obwohl er es nicht erkennt, verändern diese Komplikationen ganz signifikant das Rauchverhalten und seine Denkstrukturen, wenn es um die angeblichen „positiven Auswirkungen des Rauchens“ geht.
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Wenn jemand einer Stresssituation ausgesetzt ist, hat dies die körperliche Auswirkung der Übersäuerung des Urins. Bei Menschen, die keinen Tabak konsumieren, hat eine solche Urin-Übersäuerung keine wahrnehmbaren Auswirkungen. Es geschieht im Innern des Körpers und ohne das Wissen der Betreffenden, und wahrscheinlich ist es ihnen auch völlig egal. Nikotinkonsumenten sind da komplexer. Wenn jemand, der einen gewissen Nikotinpegel im Körper aufrecht erhält, auf Stress trifft, wird der Urin übersäuert, und dieser Prozess führt dazu, dass dem Blutstrom Nikotin entzogen wird. Es wird nicht abgebaut und wird direkt in die Harnblase gespült. Dadurch wird die Nikotinzufuhr zum Gehirn rapide gesenkt, und der Raucher hat Entzugserscheinungen. Jetzt schäumt er innerlich wirklich, nicht nur wegen der anfänglichen Stresssituation, sondern auch wegen der Entzugserscheinungen.
Es ist allerdings interessant, dass der Raucher sich trotzdem nicht wohl fühlt, auch wenn der Stress abgebaut wird. Der Entzug wird nicht durch die Lösung des Konfliktes beendet, sondern durch die Zuführung von Nikotin, oder – viel besser – indem man die 72 Stunden Entzug hinter sich bringt. Danach kann der Körper kein Nikotin mehr ausscheiden, er baut es in Nebenprodukte um, die keinen Entzug bewirken. Meistens wählt der aktive Raucher die erste Methode, um den Entzug zu erleichtern, er nimmt eine Zigarette. Während diese ihn für den Moment beruhigt, ist dieser Effekt nur von kurzer Dauer, da der Raucher dies praktisch alle 20 bis 30 Minuten für den Rest seines Lebens wiederholen muss, um die Symptome abzuwehren.
Obwohl es sich hier um einen falschen Beruhigungseffekt handelt, da der Stress nicht wirklich beruhigt wird – es wird einfach nur der durch den Stress erlittene Nikotinverlust ersetzt – ist der Raucher der Meinung, dass die Zigarette ihm geholfen habe, mit dem Konflikt umzugehen. Er betrachtet sie als effektives Hilfsmittel. Aber die Auswirkungen dieses Hilfsmittels gehen viel weiter, als nur den Anfangsstress zu verstärken. Es beeinflusst die Art und Weise, wie der Raucher mit Konflikten und Trauer umgeht. Das mag nicht immer offensichtlich sein, aber es ist deswegen nicht weniger ernst. In gewissem Maße betrifft dies die Fähigkeit zu kommunizieren und vielleicht sogar die Fähigkeit, durch diese Erfahrungen zu wachsen.
Ich gebe Ihnen ein einfaches Beispiel. Nehmen wir einmal an, Sie verabscheuen die Art und Weise, wie Ihr Lebensgefährte die Zahncreme aus der Tube drückt. Wenn Sie ruhig und vernünftig darstellen, warum das ein Problem für Sie ist, wird er sich vielleicht ändern und künftig die Zahnpastatube so ausdrücken, dass Sie sich nicht daran stören. Dadurch, dass Sie Ihre Gefühle mitteilen, sorgen Sie dafür, dass ein kleines Ärgernis praktisch verschwindet. Sagen wir einmal, Sie sind Raucher und sehen diese Zahnpastatube. Sie ärgert Sie ein bisschen, und Sie sind drauf und dran, deswegen etwas zu sagen, um das Problem zu lösen. Aber warten Sie. Weil Sie verärgert sind, verlieren Sie Nikotin. Sie haben Entzugserscheinungen, und bevor Sie sich des Problems annehmen können, müssen Sie erst einmal rauchen. Sie rauchen, beenden also die Entzugserscheinungen und fühlen sich tatsächlich besser. Zur gleichen Zeit haben Sie etwas zeitlichen Abstand zwischen sich und die Zahnpasta-Situation gebracht, und bei weiterer Betrachtung der Sachlage beschließen Sie, dass es keine große Sache ist, und vergessen es einfach. Das hört und fühlt sich dann so an, als hätten Sie den Stress aufgelöst. Tatsache ist, Sie haben ihn nicht aufgelöst! Sie haben das Gefühl unterdrückt. Es ist immer noch da, nicht gelöst, nicht kommuniziert. Wenn die Situation das nächste Mal auftritt, regen Sie sich wieder auf. Sie haben Entzugserscheinungen. Sie müssen rauchen. Sie wiederholten diesen Kreislauf, in dem Sie weder kommunizieren noch den Konflikt lösen. Immer wieder wird dieses Muster wiederholt, manchmal jahrelang.
Eines Tages hören Sie auf zu rauchen. Vielleicht haben Sie schon vor Wochen oder Monaten aufgehört. Plötzlich präsentiert sich genau dasselbe Problem eines Tages wieder, diese nervtötende Zahnpastatube. Sie haben nicht mehr die automatisch auftretenden Entzugserscheinungen, die Sie von der Szene entfernen. Sie sehen die Situation, und Sie gehen in die Luft. Wenn die Person in der Nähe ist, explodieren Sie komplett. In der Rückschau merken Sie, dass Sie unberechtigterweise in die Luft gegangen sind, und dass die heftige Reaktion der Situation nicht angemessen war. Sie haben dieser Situation Hunderte von Malen zuvor gegenüber gestanden, und niemals ist etwas Vergleichbares geschehen. Sie fangen an sich zu fragen, was passiert sein muss, dass Sie zu so einem schrecklichen und aufbrausenden Menschen geworden sind. Jetzt verstehen Sie, was passiert ist. Sie explodieren nicht wegen der Situation. Sie explodieren wegen etwas, das Ihnen schon jahrelang auf die Nerven gegangen ist. Und weil Sie den Frust aufgestaut haben, gehen Sie viel heftiger in die Luft, als wenn Sie das Problem schon früher angesprochen hätten. Es ist so, als ob Sie den Korken aus einer geschüttelten Sektflasche ziehen: Je mehr geschüttelt wurde, desto größer ist die Wucht.
Das Rauchen hat Sie die ganzen Jahre davon abgehalten, frühzeitig mit Ihren Gefühlen umzugehen. Stattdessen ballten sie sich und wuchsen an, bis sie eines Tages viel heftiger explodierten, als sie das am Anfang getan hätten. Verstehen Sie das Folgende: Wenn Sie nicht aufgehört hätten zu rauchen, wären die Gefühle irgendwann zu Tage getreten, entweder durch eine ähnliche Reaktion wie die Explosion oder durch körperliche Beschwerden, die dauernde ungelöste Belastungssituationen durchaus verursachen können. Viele Beziehungen scheitern, weil man sich wie eine Auster zurückzieht und auf diese Weise wirksam verhindert, dass Konflikte durch Kommunikation zwischen den Partnern gelöst werden können. Es gibt einen sicheren Weg, wie Entzugserscheinungen nicht Ihr Konfliktlösungspotenzial und Ihre Kommunikationsfähigkeiten beeinträchtigen können, und zwar indem Sie Ihren Entschluss weiter leben: Nie wieder einen einzigen Zug!
„Warum sind Sie so streng, wenn es ums Schummeln geht?“
„Wenn ich zu den Weight Watchers gehe und sage, dass ich beim Nachtisch gemogelt habe, bekomme ich trotzdem Applaus und werde dazu ermuntert, es auch weiterhin zu versuchen. Warum bieten Sie mir nicht dieselbe Unterstützung an, nur eben in bezug auf Zigaretten?“ Eine wütende Seminarteilnehmerin griff mich neulich so an, weil ich mich nicht eben enthusiastisch darüber zeigte, dass sie am fünften Tag rückfällig geworden war.
Ich erklärte ihr, dass zwei total verschiedene Methoden erforderlich sind, je nachdem, ob man eine Verhaltensänderung in der Ernährung herbeiführen will oder ob man eine Sucht wie das Rauchen behandeln möchte. Für Menschen auf Diät ist Schummeln im Urlaub oder auf Partys gängige Praxis. Schummeln bei der Behandlung einer Sucht aber ist gleichbedeutend mit totalem Rückfall. Wenn Sie ein Stück Kuchen essen, sind Sie nicht am nächsten Tag 50 Pfund schwerer. Wenn Sie aber als Ex-Raucher eine Zigarette rauchen, können und werden Sie wieder anfangen zu rauchen, gewöhnlich wird das alte Konsumniveau innerhalb von Tagen oder Wochen erreicht.
Viele Diätkurse verzeihen schon einmal einen Ausrutscher. Der Umgang mit Abhängigkeiten nach Heroin, Alkohol oder Nikotin erfordern jedoch die völlige Entschlossenheit der Süchtigen, den Kontakt mit der betreffenden Substanz zu vermeiden. Weil diese simple Regel hundertprozentigen Erfolg garantiert, habe ich kein Verständnis für Leute, die sich wegen zu viel Stress, weil sie zu dick sind, auf einer Party oder aus irgendwelchen Gründen eine Zigarette erlauben.
Rückfall ist Rückfall, ganz egal, wie es dazu kam. Das Ziel eines jeden Ex-Rauchers ist es, nicht mehr zur aktiven Sucht zurückzukehren. Wenn Sie mit Situationen konfrontiert werden, die eine Zigarette zu rechtfertigen scheinen, dann nehmen Sie sich eine Minute Zeit, um darüber nachzudenken, wie sich das Leben als Drogenabhängiger angefühlt hat.
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Husten, Keuchen, Halsschmerzen und Kurzatmigkeit. Die ständigen Drohungen Ihrer Ärzte: „Hören Sie auf zu rauchen, sonst…“. Mundgeruch und übel riechende Kleider und Haare. Kopfschmerzen, Erschöpfung und das flaue Gefühl, wenn Sie zu viel geraucht hatten. Dauernd die Sorge, dass Sie zu Hause oder im Büro eine brennende Zigarette liegen lassen haben könnten. Das Panikgefühl, wenn Sie merkten, dass Ihnen die Zigaretten ausgegangen waren. Die Tatsache, dass Sie bei Freunden und Familie nicht willkommen waren, wenn Sie rauchten. Die Hunderte und Tausende von Euro, die Sie jedes Jahr ausgegeben haben, um Zigaretten zu kaufen – außerdem Kleidung und Möbel, die Sie wegen Brandlöchern ersetzen mussten. Das nervtötende Betteln Ihrer Kinder oder Eltern, doch bitte endlich aufzuhören. Der einzige Raucher auf einer Party zu sein und sich zu fühlen wie ein Aussätziger. Völlig von Zigaretten kontrolliert zu werden. Kein schönes Bild, oder?
Wenn Sie also beim nächsten Mal denken, Sie bräuchten jetzt eine Zigarette oder hätten eine „verdient“, bedenken Sie die Konsequenzen. „Schummeln“, „Ausrutscher“ oder „Experimentieren“ existieren nicht. Sie können nicht „eine Zigarette“ rauchen. Die einzigen Optionen, die für Sie existieren, sind Erfolg oder völliges Versagen. Totale Freiheit oder totaler Rückfall. Es wird nur wenige Sekunden dauern, bis Sie merken, dass Sie nicht den Wunsch haben wieder zu dieser jämmerlichen Lebensweise zurückzukehren. Und dann klopfen Sie sich bitte selbst auf die Schulter, weil Sie dieses Hindernis so erfolgreich überwunden haben. Sie merken, dass Sie sich selbst viel zu sehr mögen, als dass Sie wieder rauchen könnten. Dauerhafter Erfolg hängt von einer einfachen Technik ab: Nie wieder einen einzigen Zug!
This Article is reproduced from “Never Take Another Puff”; Copyright © Joel Spitzer, 2003 This book or any portion thereof may be freely distributed in either electronic or print form so long as no charge is made for it, and so long as this notice remains with any significant portion of the work when distributed. WhyQuit.com »











