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21:19 Uhr | Montag, 29. Juni 2009  

Gastartikel

  

Wir verstehen, warum Sie rückfällig geworden sind

Manchmal wird ein Kursteilnehmer rückfällig, und ein anderes wohlmeinendes Kursmitglied kommt dazu und sagt, dass er oder sie die Gründe für den Rückfall „verstehe“. Der wohlmeinende Kurteilnehmer fühlt, dass die rückfällig gewordene Person für die schlechte Wahl, die sie getroffen hat, getröstet werden muss. Ich habe sogar mehrere Male gesehen, dass der Leiter der Gesprächsrunde oder andere erfahrene Gruppenteilnehmer dafür kritisiert wurden, dass sie der rückfällig gewordenen Person keine bedingungslose Liebe oder Unterstützung angeboten hatten. Sie wurden gefragt ob sie die Situation nicht verstanden hätten oder warum sie nicht damit sympathisierten.

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Nun, Tatsache ist, dass unsere Gruppenleiter und alle unsere längerfristig erfolgreichen Mitglieder sehr wohl verstehen, wie die Person rückfällig geworden ist, sie verstehen es tatsächlich nur zu gut. Die Person hat das Gesetz der Sucht gebrochen, hat einen Zug Nikotin genommen und bezahlt nun die obligatorische Strafe – Rückfall. Wir wissen auch, dass jede Entschuldigung, die für die Reaktivierung einer chemischen Abhängigkeit im Körper vorgebracht wird, völliger Unsinn ist. Für einen Rückfall gibt es keine Rechtfertigung.
Heute gibt es Unterstützungsforen im Internet, wo täglich beobachtet werden kann, wie rückfällig gewordene Mitglieder zurückkehren. Es wird ihnen nicht widersprochen, wenn sie versuchen, die ganze Gruppe davon zu überzeugen, dass ihre Rechtfertigungen für den Rückfall legitim waren. Sollen diese Menschen, die gerade rückfällig geworden sind, sich besser fühlen, nachdem sie ihre Gründe erklärt haben und nachdem sie jeden dazu gebracht haben zu verstehen, warum sie rückfällig geworden sind? Ich denke, das hängt von den Umständen ab. Wenn die Person der Gruppe beigetreten ist, um sich wegen des Rauchens besser zu fühlen, dann sollte sie tatsächlich erleichtert sein. Aber wenn jemand teilnimmt, weil er versucht, sein Leben zu retten, dann denke ich nicht, dass er viel Trost aus all den Umarmungen und den guten Wünschen ziehen kann.
Ich denke, es ist so, als ob jemand auf dem Sims eines Gebäudes stünde. Möchten Sie, dass die Leute unten auf der Erde der Person auf dem Sims Gründe dafür geben, warum sie nicht springen sollte? Oder sollen sie – nachdem sie all den Sorgen des Individuums zugehört haben – sagen: „Oh je, ich verstehe, was Sie sagen“, „Ich empfinde das ganz genau so“, „Ich glaube, ich würde auch springen, wenn ich in Ihrer Situation wäre“, „Fühlen Sie sich bloß nicht schuldig, wir verstehen Sie nur zu gut!“?
Ich möchte nicht, dass diese Aussage verstanden wird, als würde ich mich über die Menschen lustig machen, die versuchen, Hilfe anzubieten. Ich versuche, einen wichtigen Punkt zu illustrieren. Offensichtlich wird der Mensch auf dem Sims sterben, wenn er springt. Verstehen Sie jedoch: Wenn eine Person rückfällig wird und nicht mit dem Rauchen aufhört, wird sie wahrscheinlich das gleiche Schicksal erleiden, nur zeitverzögert. Ja, wenn Sie eine Person auf dem Sims stehen sehen würden, würden Sie versuchen, Mitgefühl einzusetzen, um sie zurückzuhalten. Allerdings würden Sie Ihr Mitgefühl in der Form erklären, dass Sie die Bedrängnis vollkommen verstehen, aber dass Sie nicht mit der Art und Weise einverstanden sind, wie jetzt gerade damit umgeht. Es gibt bessere Wege als Selbstmord, m ein Problem zu lösen. Dasselbe Konzept trifft auf die Einnahme eines Nikotin-Zuges zu. Sie mögen die Gefühle verstehen, welche die Person hatte. Sie mögen diese sogar selbst irgendwann einmal gehabt haben. Aber Sie geben diesem Gefühl nicht nach, da die Konsequenz der Rückfall zum Rauchen ist und das zum Tode führen kann.
Manchmal deuten Leute an, es gäbe andere Raucherentwöhnungs-Foren, die einem Rückfall weit nachsichtiger und akzeptierender gegenüber stünden, tatsächlich wird er dort als normaler und akzeptabler Prozess angesehen. Dies ist eine sehr genaue Beobachtung. Ich glaube, dass jedes Mitglied eines Erziehungs- und Unterstützungsforums sich nach einer anderen Gruppe umschauen sollte, wenn es der Meinung ist, die Rückfallpolitik der Gruppe sei zu „hart“. Die Mehrheit der Mitglieder eines jeden geradlinigen Unterstützungsprogramms ist beigetreten, weil hier eine Art von Verständnis und Unterstützung angeboten wird wie sonst nirgendwo.

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Wenn es Ihnen absolut damit ist, wenn Sie mit dem Rauchen aufhören möchten, und wenn Sie an einem Programm beteiligt sind, das tief in dem Glauben wurzelt, dass es „keine akzeptable Entschuldigung für einen Rückfall“ gibt, dann sind Sie wahrscheinlich am richtigen Ort. Aber wenn Sie meinen, dass die Gruppe in Sachen Rückfall zu rigide ist, dann versuchen Sie nicht, die Gruppe zu ändern. Zu versuchen die Leitsätze der Gruppe zu verändern ist genauso unfair, als wenn Mitglieder eines ernsthaften Forums in eine unstrukturierte Gruppe gehen und dann versuchen, deren Toleranz gegenüber Entschuldigungen für Rückfälle zu ändern. Gruppen sollten anderen Gruppen gegenüber tolerant sein und vollständig anerkennen, dass manche Leute anderswo glücklicher sein werden. Jedes Mitglied muss jedoch selbst seine Überlegungen darüber anstellen, welche Art von Gruppe seine persönliche Chance auf Erfolg verstärkt. Eine Gruppe, die einfach nur dazu führt, dass Sie sich besser fühlen, mag nicht die Gruppe sein, die tatsächlich ihre Erfolgschancen steigert, erfolgreich mit dem Rauchen aufzuhören.
In welcher Gruppe Sie auch immer landen werden, sie wird Ihnen hoffentlich dabei helfen, sich darauf zu konzentrieren, es durch den heutigen Tag zu schaffen. Egal, ob es sich um Ihren ersten oder tausendsten Tag als Nichtraucher handelt: Es wird ein viel besserer Tag sein, wenn Sie verstehen, dass, egal was in Ihrem Leben passiert – große Freude oder Traurigkeit, Wichtigkeit oder Mittelmäßigkeit, Aufregung oder pure Langeweile, und wie auch immer die Umstände sein mögen, der einzige Weg, Ihre Rauchfreiheit zu erhalten darin besteht, nie wieder einen einzigen Zug zu nehmen.

Über den Autor

Quit Smoking This Article is reproduced from “Never Take Another Puff”; Copyright © Joel Spitzer, 2003 This book or any portion thereof may be freely distributed in either electronic or print form so long as no charge is made for it, and so long as this notice remains with any significant portion of the work when distributed. WhyQuit.com »


 

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