Nikotin
Wie kommt das Nikotin in den Organismus?
Nikotin ist ein im Tabakblatt enthaltenes Alkaloid- je reifer das Tabakblatt ist, desto stärker ist der Nikotingehalt. Nikotin kann Konzentrationen von zehn bis zwanzig Milligramm pro Gramm getrocknetem Tabak aufweisen. Beim Kauen, Schnupfen, Pfeife- und Zigarre Rauchen wird das Nikotin von den Mund- und Nasenschleimhäuten aufgenommen;
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Diese Aufnahme vollzieht sich recht langsam aber dafür gleichmäßig und führt zu einer graduellen Steigerung des Nikotingehalts im Blut.
Bei Zigaretten wird der Rauch inhaliert und gelangt in die Lungenbläschen, wo alle Tabak Inhaltsstoffe verstärkt absorbiert werden. Dies führt zu einer ganz plötzlichen Anhebung des Nikotingehalts im Blut. Alle Tabakkonsumarten, ganz gleich ob Pfeife, Zigarre, Kautabak, Zigarillo oder Zigarette leiten alle zum gleichen Ziel: Der Nikotin-Absorption durch den Raucher und der Ausbreitung des Nikotins im gesamten Körpers: Ein Teil des Nikotins wird zu fast 80% durch die Leber vernichtet und über Oxydation in nicht-aktive Metaboliten transformiert. Das erklärt auch, weshalb Tabak nie wie Nahrung oral konsumiert wurde: alle dem Organismus zugeführten Substanzen laufen über den Verdauungstrakt durch die Leber, wo sie allesamt vielen metabolischen Veränderungen ausgesetzt sind. ( Übrigens: Sollte Ihr Kind einmal eine Zigarette verschluckt haben, dann muss noch kein Arzt gerufen werden. Erst ab 2 verschluckten Zigaretten sind weitere Maßnahmen zu treffen. ) Der andere Teil des Nikotins setzt sich im Organismus auf Strukturen fest, die an der Oberfläche der Zellen kleben, den so genannten Nikotinrezeptoren. Diese Rezeptoren benötigt das Nikotin um seine verschiedenen Wirkungen ausüben zu können.
Die Rezeptoren
Das Nikotin als Molekül weist in seiner Form und in seiner Struktur Ähnlichkeit zum Neurotransmitter >> Acetylcholin <<, das in den meisten Bereichen der Menschlichen Physiologie eine Rolle spielt, auf . Heute ist bekannt, daß alle Funktionen der Neurotransmitter und anderer Botenstoffe wie zum Beispiel der Hormone usw. über Eiweißmoleküle ereignen, die sich auf der Oberfläche der Zellen befinden und Rezeptoren genannt werden. Ein oft heran gezogener Vergleich ist der mit dem Schlüssel und dem Schlüsselloch: die hinzustoßende spezifische Substanz ist dabei der Schlüssel, der also genau in das Schlüsselloch paßt. Die Verbindung der Substanz mit dem Rezeptor löst wichtige Funktionsveränderungen der Zellen und also auch der Organe aus. Die Rezeptoren des Acetylcholin sind dort, wo glatte und quergestreifte Muskeln auf Enden des sympathischen Nervensystems (Herz und Gefäße) stoßen . Das Nikotin kann den Platz des Acetylcholins auf einigen dieser Rezeptoren beanspruchen, die als Acetylcholin-Nikotin-Rezeptoren bezeichnet werden. Nikotin ist also ein falscher Neurotransmitter. Nikotin ist somit aber auch ein falscher Schlüssel, jedoch einer, der in der Lage ist, den richtigen Schlüssel ( das Acetylcholin ) zu ersetzen und in den meisten Organen viele Reaktionen auszulösen; Das erklärt so einige Reaktionen des menschlichen Organismus:
-die Kontraktion der glatten und quergestreiften Muskeln.
-die Stimulation des sympathischen Nervensystems mit der damit einhergehenden Kontraktion der Arterien sowie der Erhöhung des Blutdrucks. Folge davon ist , dass der Puls sich beschleunigt , und manchmal, wenn die Stimulation zu stark ist, kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen.
Wie das Nikotin auf das zentrale Nervensystem wirkt
Das Nikotin wirkt auf das Gehirn auf äußerst vielseitige Art und Weise In mehreren Gehirnzonen befinden sich neuronale Nikotinrezeptoren:
Im mesolimbischen System, in dem die Dopamin-Botenstoffe eine beachtliche Rolle übernehmen; hier befindet sich auch das »Belohnungszentrum«, das für heitere Gefühlsregungen sorgt. Hier greifen alle Drogen an wie Heroin, Kokain, Amphetamine, Alkohol und eben auch Nikotin; Nikotin wirkt auch m visuellen Kortex, dem Kleinhirn und dem Thalamus. Beweise hierfür lieferten Rattenversuche , in denen man Ratten radioaktives Nikotin injizierte, das man mittels autoradiographischer Technik sichtbar machte. Dieselbe Untersuchung wurde auch bei Rauchern durchgeführt, und zwar an Personen, die an einem plötzlichen Herztod gestorben waren. Die Verwendung von bildgebenden Techniken kann zeigen, daß diese Nikotin-Festsetzung mit einer stärkeren Gehirndurchblutung sowie einer größeren Sauerstoffversorgung der Gehirnzonen einhergeht Die Existenz der Rezeptoren erklärt auch die psychoaktiven Wirkungen des Nikotins,
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d. h. das Auftreten der vom Raucher verspürten schönen Empfindungen, die seine Abhängigkeit erst verursachen: Vergnügen und Wohlbefinden, Schmerzlinderung, Kognitive Stimulation, mit einer Steigerung der geistigen Konzentration, Stabilisierung der Stimmung, mit einer Reduzierung von Angstzuständen mit entspannender Wirkung, Reduzierung des Hungergefühls; da parallel dazu eine erhöhte Kalorienverbrennung festzustellen ist, beträgt das Körpergewicht von
Rauchern ca. zwei Kilogramm weniger als das vergleichbarer Nichtraucher. Nikotin ist weiterhin in der Lage, die sensorischen und motorischen Aktivitäten zu verändern: Die sensorischen Kapazitäten visueller Aufmerksamkeit werden verändert, und gehen einher mit einer Steigerung des Reaktionsvermögens. Nikotin ist die einzige psychotrope Substanz, die diese Eigenschaften besitzt; auch Amphetamine verbessern die Reaktionszeit, aber mit einer parallelen Anhebung der Fehlerquote. Es braucht keine 10 Sekunden, bis das im Tabakrauch enthaltene Nikotin im Blut ist und die Gehirnrezeptoren stimuliert. Ist Streß der Fall, so reichen bereits nur einige Züge aus, um einen beruhigenden Effekt zu erreichen. Beim Nikotin-Entzug verändern sich komischerweise die Gehirnrezeptoren: Sowohl ihre Anzahl als auch ihre Nikotinaffinität nimmt zu. Doch zugleich »desensibilisieren« sie sich, d.h. sie werden weniger empfänglich für Nikotin. Dies ist mit Sicherheit eine der plausiblen Erklärungen für das Mangelsyndrom, welches eintritt, sobald einem Raucher das Nikotin für längere Zeit entzogen wird. Es scheint, als habe das Nikotin im Laufe der Zeit schrittweise die Rolle des Acetylcholins übernommen und indirekt auch die der anderen Neurotransmitter, die unser Hirn zum täglichen Funktionieren benötigt. Dies betrifft dann auch die Hirnzentren, die unsere Empfindungen, Hunger, Durst steuern. Ein hastiger Entzug des Nikotins führt zu Störungen verschiedener Art, die erst nach mehreren Wochen korrigiert werden können. Diese Zeit benötigen Neurotransmitter zur Regeneration und Wiederaufnahme der normalen Funktionen.
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