Wie sich die Tabakkonzerne das Rauchverbot zu Nutze machen

Als ich heute zur erneuten Korrektur den Blogartikel „7 Tipps für werdende Nichtraucher“ überflog, stieß mir eine Google AdSense  Werbeanzeige  auf, die dort irgendwie so gar nicht hinpasste.

Für alle, die mit dem Begriff „Google AdSense“ nichts anfangen können, kurz erklärt:

Google Adsense bietet einen Weg um Geld im Internet zu verdienen. Dafür werden zum Inhalt der jeweiligen Seite passende Werbeanzeigen eingeblendet. Beispiel: Schreibe ich jetzt über Raucherentwöhnung einen Artikel im Blog, dann blendet Google automatisch Anzeigen von Firmen, die z.B. Champix vertreiben, ein. Wer genau nun auf meiner Website alles Werbung schalten darf, wird  von Google geregelt. Erst wenn ich eine Anzeige entdecke, die mir nicht gefällt, kann ich den Werbetreibenden sperren lassen.

Genau das war heute der Fall gewesen, denn die Überschrift der Google AdSense-Anzeige  lautete „Ein Platz für Raucher“ . Sofort war mir klar, dass das eine „Pro-Rauchen-Aktion“ sein musste. Ich musste wissen, wer dort Werbung macht und vorallem wollte ich wissen, für was er dort wirbt. Nun verstößt es aber gegen die Google-Richtlinien selbst auf diese Anzeigen zu klicken (Das nennt sich Klick-Betrug).  Zum Glück stand in der Beschreibung der Anzeige   ein URL und so durfte ich die Website-die sich dahinter verbarg-besuchen. .
Ich staunte nicht schlecht was dort angeboten wurde. Was mich dann aber erst recht entsetzte, war, von wem es angeboten wurde…

Schauen wir uns aber zuerst an, was sich hinter der Adsenseanzeige verbarg:

Eine moderne 2.0 Community, genannt smoke-spots.de . Da ich mich mit Social Networks ein wenig auskenne, war mir auch sofort klar, wozu dieser Service gedacht war. Der eindeutige Claim   „Raucherfreundliche Locations in deiner Nähe“ trug ebenso zum Verständnis bei. Es handelt sich hierbei um eine 2.0 Community-Lösung in der die Mitglieder alle Orte, wo das Rauchervot nicht greift, markieren können. Sehr raffinierte Idee…

…Da zurzeit die Debatte über ein konsequentes Rauchverbot in allen Gaststätten und Lokalen tobt, nutzt dieser Servce-Anbieter nicht nur den landesweiten Hype um das Rauchverbot aus  sondern er nutzt gezielt  die allgemeine Verunsicherung bei vielen  Raucher für seine Werbezwecke.

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Was hat der Betreiber- neben Werbevorteilen- noch davon eine derartige Plattform zu stellen?
Er sammelt massenweise personenbezogene Daten! Außerdem  bindet er seine Benutzer an eine Community  und kann  so per Direktwerbung  Profit machen.  Ich habe mich dort  zu Testzwecken einmal registriert. Schon das Formular fragt sehr spezifische personenbezogene Daten ab. Der Service erhält somit Informationen z.B. zu Geschlecht, Alter, Aufenthaltsort und ob die Personen Raucher oder Nichtraucher ist.

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Bedenklich ist, dass der Betreiber  mit diesen Daten und mithilfe statistischer Mittel seine Mitglieder  demografisch analysieren kann (z.B. Alters- und Geschlechtsstruktur) . Gut, das machen ja andere  Betreiber solcher Plattformen auch. Das Fatale daran ist nur, dass der Betreiber  von smoke-spots.de kein  anderer ist,  als die Reemtsma Cigarettenfabriken  GmbH . (Nach Philip Morris  die Nr. 2 auf dem deutschen Tabakmarkt!) . Damit hält dieser Tabakkonzern auch gar nicht hinter dem Berg, denn zurzeit blendet er auf allen Benutzer-Profile munter Werbung ein. Reemtsma schlägt 2 Fliegen mit einer Klappe: Er umgeht das Tabakwerbeverbot im Internet und gewinnt Benutzerinformationen, die er für Marktforschungszwecke weiter verwenden kann. Und wenn er sein Portal bewirbt, so wie in dem Video unten zu sehen, kann er nebenbei das Rauchen als etwas Schönes hinstellen und mit positiven Emotionen (Lachende Raucher, heitere Musik, etc.) verknpüfen.

Was weiter bedenklich ist, dürfte die Tatsache sein, dass dieser Service nicht nur an Rauchern  sondern vorallem auch an Nichtrauchern Interesse zeigt. Zumindest im öffentlichen Benutzer-Profil kann man ablesen, ob ein Benutzer Raucher oder Nichtraucher ist. Sogar seine Lieblingszigarettenmarke darf er nennen.

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Dieser Service ist ja ganz raffiniert: Er umgeht das Werbeverbot für Zigaretten im Internet indem er seine Nutzer ihre Lieblingsmarken öffentlicht anpreisen läßt.  Damit dürfte dann auch klar sein, auf welche Zielgruppe Reemtsma  da wirklich abzielt: Auf alle Nichtraucher. Wie genau der Tabakkonzern jetzt an Nichtraucher kommen will, geht aus folgendem Zitat einer Pressemitteilung hervor:

„Im Beta-Test zeigte die Online-Gemeinschaft, dass auch
Nichtraucher den Dienst schätzen: um mit ihren rauchenden Freunden entspannt ausgehen zu können.“

Wie konnte dieser Service technisch realisiert werden?

Er benutzt das Google Maps-API (http://maps.google.de ) . Somit wird das Einbetten von Google Maps in  Webseiten per  JavaScript ermöglicht.  Der Tabakkonzern nutzt nebenbei  sogar noch den guten Google Brand um sein Image aufzubessern. Kann Google das mit seinen Werten überhaupt vereinbaren, dass sein Maps-API für einen Service Verwendung findet, der indirekt Tabak bewerben soll? Tabak, der eine Droge enthält, die in Deutschland jedes Jahr 110.000 Menschen tötet?

Mich würde direkt einmal die  zukünftige Finanzentwicklung von Reemtsma interessieren und ob smoke-spots.de den Umsatz dieses Tabakkonzerns steigern konnte.  Ich hoffe natürlich, dass das nicht so sein wird.  Ansonsten werden andere Tabakkonzerne wie BAT oder Phil Morris bald nachziehen und ebenfalls diese Grauzone des Internets missbrauchen.

Mich interessieren   Tabakkonzerne-ehrlich gesagt- recht wenig. Ich finde es aber immer wieder erschreckend, wie genial sie vorgehen  um ihren Mist-den wirklich niemand braucht-  an den Mann zu bringen. In diesem Fall wurde also das Rauchverbot ausgenutzt um das Zigarettenwerbeverbot im Internet zu umgehen. Mir fehlen jetzt einfach nur noch die Worte…

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2 Antworten auf „Wie sich die Tabakkonzerne das Rauchverbot zu Nutze machen“

  1. Hallo Joachim,

    danke für deinen Kommentar. Freut mich dass Du vorbeischaust…Und, besteht Interesse an einer Kooperation? Zum Beispiel die Möglichkeit ein paar Gastartikel mit Link zum Thema rauchen aufhören zu posten?

  2. Ist schon krass, mit welchen Mitteln die Tabakindustrie den „Genuß“ und die Freiheit zu tun, was man will, vorgaukelt um Produkte an Mann und Frau zu bekommen, die Krankheiten verursachen. Aber natürlich kann man auch den Krebs genießen …

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